Iris erzählt

Geschichten vom Heinrichshof

Jahresrückblick 2021

Im September hatte ich endlich ein kleines Zeitfenster mich nach einem neuen Pferd umzuschauen. Es sollte ein großes, kräftiges und ruhiges Pferd sein und daraus ist Skella vom Gestüt Mühlenberg in Nettersheim geworden.  Zugegeben habe ich mich direkt in ihre Farbe verliebt (Helmschecke 😊). Ihre Ausgeglichenheit und das königliche Sitzgefühl auf ihr taten dann den Rest dazu. Sie ist Viergänger und die längeren Töltstrecken müssen wir im Frühjahr noch weiter üben. Gruppenausritte sind deshalb erst ab April geplant. Seit Anfang Oktober ist sie bei uns und hat ihre Ausgeglichenheit während der beiden Reitwanderungen ins Grenzbachtal in den Herbstferien schon bewiesen.

Leider war das auch der Zeitpunkt das der gute, alte Hagrid gehen musste. Er ist friedlich in der Scheune eingeschlafen, Er ist 11 Jahre bei uns gewesen und 27 Jahre alt geworden. Die letzten 2,5 Jahre war er Gnadenbrotpferd durch seinen Sehnenschaden nicht mehr reitbar.

Herbstferien

Auch wenn das Wetter während der Herbstferien wieder wechselhafter wurde, hatten wir eine schöne Gästezeit mit den traditionell letzten Wiedschwimmerinnen, Grillwürstchen im Grenzbachtal, Literatur- und Vortragsabenden, Lagerfeuern im Hof und natürlich ganz viel Zeit draußen mit den Ponys und auf dem Trampolin. In den Herbstferien wie auch im ganzen Jahr überhaupt bekamen wir viel Hilfe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wir bedanken uns herzlich dafür. So haben wir auch im Herbst im Wald weiter die Wege aufgeräumt. Auch beim Äpfel sammeln und Apfelsaft pressen hatten wir reichlich Unterstützung von allen und auch das Blätter rechen kann Freude bereiten…

Danke für die Unterstützung in 2021

Auch im Jahr 2021 haben uns unserer guten Mitarbeiter:innen im Gästehaus, der Landwirtschaft und in der Käserei, die FÖJler:innen und eine große Zahl an Freunde und Helfer:innen uns bei unserer Arbeit und den vielen großen und kleinen Projekten hervorragend unterstützt. Ein großes Dankeschön an Euch.  Ihr seid der Wind in unseren Segeln.

Ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr mit vielen Stunden Draußen wünscht euch die Familie Reifenhäuser

September 2021

Wir sind noch einmal davon gekommen.  

Am 14. Juli hatten wir durch einen Schutzengel nur 40 Liter Regen. Nicht auszudenken, wenn es über 100 gewesen wären – wie im nur knapp 30 Kilometer entfernten Ahrtal.
Wer hätte vorher gedacht, dass durch Hochwasser so viele Menschen ertrinken, Häuser, Brücken, Straßen komplett zerstört werden, Kanalisation rausgerissen und so viel Boden fortgespült werden kann.

Hier in Burglahr ist es zum Glück bei einigem, kurzen Starkregen im Laufe der letzten Monate geblieben. Jedoch Starkregen, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Die Klimakrise ist bei uns erneut ein Stück spürbarer geworden. Sie ist vom Menschen verursacht. Deshalb haben wir Menschen es in der Hand sie zu ändern. Jetzt.

Fichtensterben

Durch das Fichtensterben ist an vielen Stellen der Wald meiner Kindheit verschwunden. Rückezüge haben an manchen Stellen Spuren in den Waldboden gefahren, die kommende Generationen noch sehen werden.

Durch die ausreichenden Niederschläge haben sich die älteren Kahlschläge inzwischen selbst begrünt und geben Hoffnung. Disteln, Wasserdost und Fuchs-Kreuzkraut locken Schmetterlinge und andere Insekten an. Die Lärchen im Hintergrund haben Seitenäste ausgetrieben und signalisieren, dass sie trotz plötzlich fehlender, Schutz gebender Baumgeschwister den Kampf ums Überleben aufgenommen haben.

Wo einst die „Märchenpfade“ verliefen, sind im Staatswald von den abgestorbenen Fichten 3-4 Meter hohe „Marterpfähle“ als Totholz für die Insekten stehen geblieben.
Der Wald bindet CO2, speichert Wasser, kühlt und ist Lebensraum für viele Arten. Wir brauchen ihn zum Überleben.

Uns Hof wandelt sich weiter

Seit dieser Saison trocknen wir rund die Hälfte unseres Heus mit einer Heutrocknung nach. Dadurch haben wir qualitativ viel hochwertigeres Heu für die Milchkühe und können bestimmte Käsesorten aus der sogenannten Heumilch herstellen.
Durch ausreichend Regen im Frühjahr und Sommer haben die Milchkühe in diesem Jahr immer genügend Weidegras und wir können ausreichend Winterfutter ernten.
Seit Februar arbeitet die Agraringenieurin Annika Haas in der Käserei. Sie hilft Hanna bei der Herstellung von rund 20 Schnitt-, Hart- und Weichkäsesorten. Naturjoghurt und Abgetropfter Joghurt mit Frucht hat das Sortiment seit diesem Sommer erweitert.
Unseren Käse bieten wir Dienstag und Samstag im Hofverkauf an und beliefern Bioläden, z.B. in Schürdt, Weißenturm und Montabaur. Es gibt ihn außerdem bei Rewe in Neustadt/Wied. Seit Mai sind wir jeden Donnerstagnachmittag auf dem neuen, regionalen Biomarkt in Buchholz.

Seit dieser Melksaison behalten wir alle Kälber aus der Milchviehhaltung. Die weiblichen Kälber, die nicht zur Bestandsergänzung der Milchviehherde vorgesehen sind, werden wie alle männlichen Kälber bis im Alter von ca. 2 Jahren bei uns auf der Weide aufgezogen und anschließend geschlachtet. Unser „Bruder-Kalb“-Projekt.

Später Saisonstart

Den Gästebetrieb durften wir in diesem Jahr bedingt durch das Beherbergungsverbot der Corona-Schutzmaßnahmen erneut erst sieben Wochen später Anfang Juni öffnen.
Auch im zweiten Lockdown haben uns Gäste durch Spenden unterstützt und sind erneut „Ponypate“ geworden. Tausend Dank für eure Unterstützung. Ihr verleiht uns Flügel.

Viele schöne Tage haben wir bis dato mit unseren Gästen erlebt. Für alle Aktivitäten draußen war es nie zu heiß.
Der Sommer präsentierte sich mal verregnet und dann mal wider sonnig. Wir haben gerastet im grünen Gras, endlich wieder Burger gegessen, Yoga gemacht, besser reiten gelernt, Wadlwege aufgeräumt, sind Kanu gefahren und haben Gemeinschaft erlebt. What a wonderful world.