Iris erzählt 12/20

Verrückt und verrückt sind die Dinge im letzten Jahr geworden.
Einiges ist ins andere Licht gerückt worden. Einiges war mit einmal möglich.
Die Familie und das eigene Zuhause sind wichtiger geworden. Der Wegfall der Dinge hat manchmal mehr Ruhe gebracht.
Dabei ist die persönliche Freiheit enorm eingeschränkt worden. So hätte ich noch vor einem Jahr nicht glauben wollen, dass die Regierung es mir verbieten würde, mich mit Freunden zu treffen oder in meinem eigenen Haus Urlaubsgäste aufzunehmen. Verrückt finde ich auch den Fokus auf das Coronavirus in den Nachrichten. Ständig schwebt ein millionenfach vergrößerter Virus hinter der Nachrichtensprecherin. Hier könnte zumindest ab und zu zum Beispiel eine abgestorbene Fichte zu sehen sein und die drohende Klimakatstrophe mehr thematisiert werden.

Unseren Ferienbetrieb mussten wir während des harten Lockdowns im Frühjahr für sieben Wochen komplett schließen. Umsatzverlust und Unsicherheit haben uns zu schaffen gemacht. Projekte mussten abgesagt oder verschoben werden.
Es war ein echter Lichtblick, dass innerhalb kurzer Zeit einige unserer Gäste mit dem Angebot an uns herantraten, uns mit Spenden für Futter und Schmied für die Ponys zu unterstützen. Eine Pony-Patenschaft entwickelte sich auf ihre Initiative hin. Das hat mich zu Tränen gerührt und mir viel Mut gemacht.
PonyAllen Pony-Paten
noch einmal ein
großes Dankeschön
von uns allen.

Als im März Kitas und Spielplätze schließen mussten, zog unsere Kölner Familie für acht Wochen bei uns ein. Homeoffice und Hausbau passten gut zueinander.
Kinder
Wir erlebten eine schöne Familienzeit. Seit Mitte August sind Anna, Sebastian, Lotta, Emil und Ida inzwischen in ihr Haus in Burglahr eingezogen. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht alle meine fünf Enkel sehe. Manchmal kann ich mein Glück selber kaum fassen.

Da im Frühjahr auch alle kommunalen Termine abgesagt waren, hatte Dieter besonders viel Zeit, sich um das Brunnen-Projekt zu kümmern. Der Chef der Brunnenbau-Fima hatte uns bereits im Herbst mit der Wünschelrute besucht. An einer Stelle hinter dem Kuhstall hatte er zwei Wasseradern in 64 Meter Tiefe vorausgesagt.
Brunnen-Bohrung
Als dann Ende März an dieser Stelle gebohrt wurde, stieß der Bohrer bei 63,5 Meter auf Wasser.

Inzwischen wird mit dem Brunnenwasser zuerst der Käsekessel und im Sommer auch das Käselager gekühlt. Anschließend läuft das Wasser in einen Vorratstank zurück um für Viehtränken im Stall zum Befüllen der Wasserfässer und Bewässern des Gartens genutzt zu werden.
Wasser-Spiele
Anfangs musste der Brunnen öfter gespült werden. Gerne halfen die Enkel dabei.

Groß war die Freude, als wir Ende Mai mit dem Himmelfahrt- Wochenende wieder öffnen konnten.
Schimmel
Vom Homeschooling ins Hof-Schooling war der Satz der Stunde.
Pferd-Pflege
Die Handynutzung bei den Jugendlichen erschien mir dieses Jahr irgendwie weniger. Stalldienst ...
... zusammen ...
....und einfach mal etwas zusammen machen, war dieses Jahr besonders wichtig.

Auch die Erwachsenen hatten Nachholbedarf an Ponyduft und draußen sein, an Gemeinschaft, gutem Essen und lesen im Liegestuhl. Den wirklich wichtigen Dingen eben.;-)
Wandern und liegen

Die Familientische und die abgesagten Tagesbesucher brachten noch einmal zusätzliche Ruhe und Gelassenheit, und insgesamt habe ich die zurückliegende Saison als besonders entspannt und harmonisch empfunden.
Mahlzeit
Und dann fühlte sich alles fast so wie immer an.

Ausritt
Die Herbstferien konnten gerade noch stattfinden.

Jetzt hoffen wir auf eine baldige Impfung der Risikogruppen und Wiedereröffnung Ende März zu den Osterferien.

Die Nachfrage nach unserem Käse aus der Hofkäserei und unserem Fleisch von Weide- und Heckrindern ist seit dem Frühjahr stark gestiegen. Wie schön, dass jetzt mehr zu Hause gekocht wird und dabei auch Bio und regional höher wertgeschätzt wird.
Gemüsestand

Seit einigen Monaten bietet am Samstag zusätzlich zum Hofverkauf der Biolandbetrieb Ross & Rettich regionales Gemüse an. Susanne Berling und Karsten Güttler / Ross & Rettich setzen zur Feldarbeit ausschließlich ihre vier Kaltblutpferde ein. Dadurch kommt es kaum zu Bodenverdichtung. Im nächsten Jahr wollen wir die Kooperation mit ihnen ausbauen. Auf einer Fläche in Burglahr soll ein Gemeinschaftsgarten und /oder eine kleine Solawi (solidarische Landwirtschaft) entstehen.

Das Jahr 2020 war als drittes Jahr in Folge viel zu trocken. Besonders zu schaffen machte uns, dass es von Ende März bis Ende Mai überhaupt nicht regnete. Dadurch konnten wir nur ein Drittel unserer sonst üblichen Heumenge ernten, und das Futter für die Milchkühe blieb das ganze Jahr hindurch knapp.
Die Kühe legten beim Umtrieb weite Strecken zurück. Alles was möglich war, wurde eingezäunt, und zwei Wochen lang musste dann doch Silage auf der Wiese zugefüttert werden. Diese Futterumstellung von Weidegras auf Silage und zurück ist immer schlecht für die Gesundheit der Kuh und aus Silagefütterung lassen sich außerdem bestimmte Käsesorten nicht herstellen.
Um variabler auf die Klimaveränderung reagieren zu können und immer guten Käse produzieren zu können, ist als nächstes größeres Projekt eine Heuballentrocknung auf dem Hof geplant. Mit Trocknungsheu lässt sich früher, viel hochwertiger und in größerer Menge ernten. Ansonsten verbleibt bei Bodentrocknung der Blattanteil der Gräser und Kräuter oft als Bröckelverlust auf der Fläche zurück.
Die Heizung für die Trocknung wird mit Holz-Hackschnitzeln betrieben. Dieter und Max haben bereits eine Anlage günstig gekauft. Ob es ein Schnäppchen war oder ein Schrotthaufen ist, müssen die Tüftler vom Heinrichshof noch herausfinden.;-)

Dem Wald vor unserer Haustür geht es schlecht.
Waldsterben
Rund 80% der Fichten sind abgestorben und der Klimawandel ist mit bloßem Auge zu sehen.

Gerade arbeitet sich ein Vollernter durch den Gemeindewald Oberlahr/Burglahr und fällt die abgestorbenen Fichten. Große Flächen werden kahl. Niemand kann sagen, wie der Wald der Zukunft aussehen wird. Die Wiederbewaldung ist eine Herkules-Aufgabe, schreibt unser Forstamt. Um alles direkt wieder aufzuforsten, fehlt es an geeignetem Pflanzgut in dieser Menge und letztendlich auch an Geld und Zeit. Ein Teil der Flächen wird erst einmal sich selbst überlassen bleiben und kann sich, wenn genug Regen fällt, selbst wieder begrünen. Im zukünftigen Wald sollen nicht mehr nur eine Baumart, sondern 5-6 klimaresistentere Baumarten (klimaresistente Baumarten gibt es nicht) stehen.
Dolden
Hier sind die abgestorbenen Fichten schon im Januar gefällt worden. Auf der Fläche ist jetzt im Sommer Schlagflur und ein kleines Insekten-Paradies aufgewachsen.

Auch wenn 2020 nicht immer einfach war, so haben uns doch unsere guten Mitarbeiter, FÖJler, Helfer, und Freunde bei unserer Arbeit und den vielen großen und kleinen Projekten hervorragend unterstützt.
Danke Johanna Müller, René, Ludger und Anna Rolletter für eure Mitarbeit in der Landwirtschaft.
Danke an unserer Freiwilligen Lena Sandner, Tristan, Johanna Keller und Millie.
Danke Anouk für dein Praktikum bei uns.
Mit Euch können wir andere Wege gehen.
Danke Micha für deine Spitzen-Hauswirtschaft, deine Sorgfalt und gute Planung und für das leckere Essen. Du bist einfach die Beste.
Danke an das Super-Hausteam Marianna, Eli, Jule, Diana, Jasmin, Sophie, Anja, Anke, Laura, Saliah und Anja Fischer. Danke für Sauberkeit und Ordnung.
Danke Marliese für die vielen leckeren Streuselkuchen und das Bügeln der Bettwäsche-Berge.
Danke Eli für viele Kilos Fleisch einpacken, für Pizza backen, Einkaufsfahrten und den Reitunterricht für die Fortgeschrittenen.
Danke Ronja für alle Feuerwehrdienste, Reitunterricht und Ausritte mit den Nachwuchsreitern.
Danke für Pferde- und Pflegemädchen-Dienste, Urlaubsvertretung, Küchendienste, Gartenarbeit, Hilfe beim Bauen, in der Landwirtschaft und Käserei: Ronja, Saliah, Sophie, Johanna, Laura Schultheiß, Emilia Propach, Mia, Svea, Zoe, Luana, Amelie, Daniela, Joelle, Noelle, Alina, Gesa, Klara, Pilar, Greta Fröhling, Anja Teufel, Eileen, Malte, Greta, Anouk, Eli Reinermann, Hanna Kränkel, Leni, Sarah Nippold, Henrike, Lena Bellut, Anna Eschle, Simon, Milan, Dirk, Erwin, Erwin Fischer, Anne, Sami, Sebastian Gawlik, Henning und Carsten.
Ihr seid unsere Mutmacher.
Käse

Ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr mit vielen Stunden draußen
wünscht Familie Reifenhäuser

Liegen



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